Die Geschichte von Oberlauterbach
Oberlauterbach zur Jahrhundertwende

 

Der Ort, wo das Schloß steht, hat den Namen Lautterbach dem Vernehmen nach daher bekommen, weilen von Alters in selbiger Gegend ein ziemlich großer Morast, sehr viel Wasser-Teich oder Fischweiher und also lauter Bäch gewesen sein sollen. So der Verfasser der Churbayrischen Landesbeschreibung im 18.Jahrhundert.

 

Oberlauterbach liegt abseits der großen Straßen, an der nördlichen Grenze des Landkreises Landshut im Talgrund des Wasserlaufes, des Lauterbaches, von dem es seinem Namen ableitet. Seit altersher gehört es zum Sprengel der Pfarrei Pürkwang. Trotz hinhaltenden Widerstandes wurde 1978 die Gemeinde Oberlauterbach in die nunmehrige Großgemeinde Pfeffenhausen eingegliedert; im Nachhinein betrachtet war es die beste Lösung.

Oberlauterbach und seine Umgebung ist ein uraltes Siedlungs- und Kulturland. Schon in der Jungsteinzeit (Neolithikum) haben hier Menschen gewohnt, Wälder gerodet, die Felder bearbeitet. Die auf der ''Platte'' bei Grabungen gefundenen Silex- (Feuerstein) geräte und Tonscherben aus der Jungsteinzeit sind so einzigartig, dass sie der Wissenschaft unter den Namen ''Oberlauterbacher Kultur'' ein Begriff wurden.

Die älteste Urkunde für die Pfarrei Pürkwang stammt aus dem Jahre 730. Herzog Hubert schenkt darin seine Besitzungen in und um Pürkwang dem Domstift Regensburg. Im Lauf der nächsten Jahrhunderte baut dieses seine Herrschaft mit den Schwerpunkten Wildenberg, Lauterbach und Pattendorf weiter aus und übergibt sie dem Rittergeschlecht der Ebranen als bischöfliches Leben. Einzelne Mitglieder dieser Familie nennen sich schon im 12. Jahrhundert nach ''Lauterbach''. So erhielt 1271 vom damaligen Regensburger Bischof Leo Thundorfer sein ''getreuer Hänslin Ebran von Lauterbach'' Wildenberg als Lehen, der sogleich dort mit dem Bau der BUrg beginnen ließ. Wenig später baute dessen Sohn Ebran von Wildenberg am Wasserschloß in Lauterbach. Daraus entstanden die geteilten Herrschaften: die geistliche Hofmark Wildenberg, die weiter dem Hochstift Regensburg angehörte und davon getrennt die Hofmark Lauterbach, die im Lauf der Zeit in das Eigentum von Adelsfamilien überging.

Während das bischöfliche Leben Wildenberg bis zum Aussterben der Familie 1608 in den Händen der Ebranen blieb, wechselte Lauterbach wiederholt in andere Familien (Ebranen, Leutenbecken, Hornbecken, Achdorfer etc).

1580 verkaufte Dorothee, die Witwe des Gabriel Pusch, ihre Schlösser und Hofmarken Oberlauterbach, Horneck und Meilenhofen mit allen dazugehörigen Gütern, wozu auch Weinberge und an die 5000 Tagwerk Wald gehörten, dem edlen, gestrengen und hochgelehrten Herrn Siegmund Viehauser, des Heil. Reiches Hofvicekanzler um 38000 Gulden Rheinischer Münz.

Seine Tochter Elisabeth als Erbin war verehelicht mit Horatius Di Hipolyti, Graf von Gazzoldo bei Mantua in Oberitalien, der aber schon 1597 vertstarb (Grab in der Kirche) und in zweiter Ehe mit Alfons, dem Graf von Portia und Brugnara. Er starb bereits im Jahre 1621.

Seine ''wohlbestellte Burg, am Wasser gelegen'' (Apian), über 4 Gaden hoch gebaut, umfasste laut Inventur von 1575 in den einzelnen Stockwerken Harnischkammer mit Erker, viele Stuben, Kammern und Gewölbe. Alle Kostbarkeiten von Gold, Silber und Edelsteinen wie auch die gesamte Kirchenzier waren dem sicheren Glockenturmgewölbe anvertraut. Im Erdgeschoss befanden sich die Räume für das Gesinde, der Zehrgaden, die Fleischgewölbe, darunter die Kellereien und die Wohnräume des Pflegers. Abseits des von Wasser umgebenen Schloßbereichs standen der Zehent- und Hofbaustadel, das Bräuhaus, das Wagenhaus, der Kasten, die Stallungen und weitere Keller.

Das Schicksal im Dreißigjährigen Krieg

Schon beim ersten Einfall am 13. Mai 1632 hatten die Schweden alles zerstört, das Schloss blieb als Brandruine zurück, von der in der Folgezeit auch noch die Hauptmauern einstürzten. Die Grafenwitwe Elisabeth musste sich vom Gesinde Decken erbetteln, weil ihr selbst bei der Brandschatzung durch die Schweden alles geraubt worden war. Sie ließ zwar noch vor dem Wintereinbruch Stallungen notdürftig instand setzen, verließ aber bald Oberlauterbach und starb 1634 zu Rastatt im Badischen, zu der Zeit, als in unserer Gegend Pest und Kriege am schlimmsten hausten und viele Menschen ihr Heil ''auf der Flucht'' suchten.

Graf Max als Haupterbe, der während des Krieges im Hofdienst des Kurfürsten Maximilians stand, sich kaum im Dorf aufhielt, hatte die wertvollsten Möbel des Schlosses nach Burghausen und Salzburg in Sicherheit bringen lassen. Später klagte er, dass ihm in der Zeit zwischen 1632 und 1651 gleichermaßen wie in seinen Untertanen "Kein Getreide und kein Vieh blieben". Von seinen 3 Hofmarkten lägen immer noch 25 Bauernhöfe, 27 Sölden, 2 Tagernen und 1 Mühle in Asche und seinen unbemeiert; Wiesen nun Felder seit zwei Jahrzehnten nicht mehr bewirtschaftet worden und mit Büschen verwachsen.

Die Pestkapelle am Ortsrand soll das Schicksal der Bewohner in Erinnerung halten, die in dieser Notzeit durch Schwert, Feuer, Seuchen und Hunger hingerraft wurde. Nach der Überlieferung soll nur ein Mann im Ort den ganzen Krieg von Anfang bis zum Friedenschluss überlebt haben.

In der Zeit von 1663 bis 1668 ließ Graf Max den Aufbau des jetzigen Schlosses auf den weithin vorhandenen Grundmauern des Vorgängerbaus durchführen. Es ist "masiv ins Geviert gebaut, vierstöckig, mit vier Ecktürmen (vor dem noch einen fünften am Eingangstor) versehen und enthält sehr viele schöne, lichte Zimmer und einen heiligen Alexus geweiten Kapelle." (Wening)

In seinen Testament bestimmte Graf Max vor seinem Tod 1679, dass das Besitztum Oberlauterbach mit all seinen Zugehörungen als portaisches Fideikommniß künftig als Familieneigentum ungeschmälert erhalten bleiben muss und dem jeweiligen Besitzer nur das Recht auf die daraus anfallenden Gewinne zustehe. Als Erben setze er seinen Sohn Alfons ein, sollte dieser aber kinderlos sterben, die ehelichen Nachkommen seinen Bruders, des Grafen von Portia und Brugnara.

So wurde Hanibal Alphons Emanuel Portia, eine Nachfahre dieser Linie, Universalerbe sowohl Oberlauterbachs wie noch andere Besitztümer außerhalb Bayern. Dementsprechend lautet 1709 sein Titel: "Fürst von Portia und Mittenburg, Graf zu Oretenburg und Brugnara, Herr zu Perm, Senositsch, Grünburg, Goldenstein, Pitterberg, Obertraburg, Falschberg und Mederndorf, zu Ober-und Unterlauterbach, Horneck und Meilenhofen, Erb- und Landshofmeister der fürstlichen Grafschaft Gürz..."

Die letzte aus diesem Geschlecht Gräfin Amelie von Portia, verehelichte sich 1840 mit dem Freiherrn und dem königlichen Kämmerer Max von Zetto, dessen Vater (1756 bis 1847) sich als Diplomat und Vertreter des bayerischen Kurfüsten 1796 entschieden für den Waffenstillstand zwischen Pfalz - Bayern und der französischen Republik eingesetzt hatte. Seit 1840 ist Oberlauterbach in der Hand dieser Familie..

Über Oberlauterbach und das dazugehörigen Gebiet besaß der jeweilige Schlossherr das Obereigentum, die Anwesenbesitzer jedoch nur das sogenannte Nutzungsrecht auf Zeit, Lebenszeit oder auch in erblicher Weise. Dafür mussten sie ihrem Herrn zu den festgesetzten Zeiten Abgaben in Naturalien (Zehent), und in Geld sowie Dienste und Scharwerk leisten. Fast alle Anwesen waren vom Hofmarksherrn nur mit "Leibrecht" an die Besitzer übergeben. Dies bedeutet, dass beim Todesfall das Anwesen nicht an die Kinder,  sondern wieder an den Schlossherrn zurückfiel und von ihm gegen entsprechende Gebühren für einen neuen "Meier" vergeben werden konnte. Nur einzelne Anwesen (Unterbuch, Mantlach, Holzen, Thonhausen) waren mit "Erbrecht"ausgestattet. Hier wurde der Hof innerhalb der Familie an ein Kind weitervererbt. Aber auch diese Familien waren gleichermaßen abhängig zum "Haus- und Hofverband des Herrn".

Ihm oblag z.B. die Pflege und der Unterhalt der Kirche wie auch der Schule, deren Anfänge bis ins Ende des 17. Jahrhunderts zurückreichten. So wird 1810 gerühmt, es sei "rührend und herzerhöhend, wenn man in der feiertäglichen Gottesdienst dem feierlichen Kirchengesang und der Leitung des Lehrers und Messners Zizelsperger zuhört. Die sämtliche Schuljugend singe mit schönster Harmonie".

Das Schicksal der Untertanen war abhängig von der Gunst ihres Herrn: Eine Heirat brauchte vorher seine Zustimmung, der Wechsel in eine andere Grundherrschaft verlangte zuvor die Freigabe aus seiner Leibeigenschaft, an die Ausübung eines Gewerbes war überhaupt nicht zu denken. 1darüber hinaus war er auch Gerichtsherr und zuständig für die Verurteilung aller sogenannten "niedrigen Verbrechen", die nicht mit dem Tode bestraft werden mussten.

Zur Hofmark gehörten die Ortschaften

um 1500                                                 um 1752

Oberlauterbach, Edlsitz                        Oberlauterbach, Edlsitz

und 24 Anwesen                                   25 Anwesen und 23 Leerhäusler

Ludmannsdorf mit 9 Anwesen             9 Anwesen

Thonhausen mit 8 Anwesen                8 Anwesen

Balderhausen mit 6 Anwesen             6 Anwesen

Weikersdorf mit 4 Anwesen                4 Anwesen

Unterbuch mit 4 Anwesen                    4 Anwesen

Indorf mit 2 Anwesen                            2 Anwesen

ein Hof zu Holzen                                  1 Anwesen

und die Einöde Mantlach                     1 Anwesen

 

Daraus geht hervor: über zwei einhalb Jahrhunderte blieb die Zahl der Hofstellen in allen Orten gleich. Nur im Hofmarksdorf selbst waren während dieser Zeit 23 "Leerhäusler" angesiedelt worden. Diese zusammen steuerten soviel, wie eine Zweidrittelhof bemessen wurde, besaßen aber außer einem "Hausgärtlein keinerlei Grund und waren zur Bestreitung Ihres Lebensunterhalts in der Hauptsache auf das Tagwerk im Schlossgut angewiesen.

Mit der Aufhebung mit der Leibeigenschaft 1809, der Bildung selbstständiger politischer Gemeinden um 1811 und letztlich der Auflösung der Partrimonialgerichte veränderte sich von Recht wegen die soziale Stellung der Ortsbewohner. Sie wurde durch die "Bauernbefreiung" Bürger und selbstständige Grundeigentümer, hatten das Recht, aus ihrer Mitte Bürgermeister und Gemeinderat zu wählen und über ihre Angelegenheiten in eigener Verantwortung zu entscheiden. Im Rahmen der Gewerbefreiheit konnten sich nun im Dorf auch Handwerk und Gewerbe entwickeln; viele Familien fanden ihren Unterhalt "im Schloss".

In der letzten Jahrzehnten hat sich der Ort durch Neuansiedlung stark vergrößert.